26 Juli 2009

Die Impertinenz einer Scheinbaren


Mit welcher Eitelkeit nur greife ich zur Feder,
obwohl ich nichts zu sagen hab?
Mein Vater liegt in keinem braunen Grab,
und Mutter räumte weder Schutt noch Kegel.

Auch meine Schwestern blieben – Gott sei Dank! – verschont.
In ihren Gärten blühen immer noch die Rosen,
am Handgelenk die oft vererbten Pretiosen.
Nein, wirklich, nichts was eigentümlich wäre.

Und was es über mich zu sagen gibt,
passt ohnedies auf eine halbgegerbte Haut.
Kein Wagnis rief, nur recht stabil und altvertraut:
die Feuerprobe tobte bloss in den Romanen.

Und doch treibt etwas mich zur öffentlichen Rampe,
auch wenn mich konsequent Entlarvung zagt.
So muss ich schreiben, selbst wenn niemand fragt,
auf dass vielleicht ein Wort bleibt in Gedanken.


© Margot S. Baumann / 2009

Kommentare:

Gedanquill hat gesagt…

Wahrer, Macher, Revoluzzer,
Staatsmänner und Klinkenputzer,
schreiben nicht aus Wichtigkeit,
dafür fehlt die knappe Zeit.

Nur, wenn man in stillen Stunden
Schlüsselzeiten neu bedenkt,
wahr, geträumt oder erfunden,
spürt man wie das Leben lenkt.

Und, dass man dies anderen schenkt,
was man sich hernach ersonnen,
in den Rythmen und den Reimen,
um Essenzen zu verleimen,
hat man nicht aus Protz begonnen,
wie der Leser oft sich denkt.

Nein, es ist der Wunsch nach Sphären,
die dem Wissen Raum erschließen.
Soll das Wort zur Kenntnis gären,
darf es nicht im Kopf zerfließen.

Eine Pflanze aus Gedanken,
bahnt sich schöpferisch Gestalt.
An den Blättern und den Ranken
wünschen wir Betrachtern Halt.

Mag vielleicht des Lesers Regung
Scherung oder Nahrung geben,
dass wir dann mit neuer Prägung
Wege zur Erkenntnis leben.

Margot S. Baumann hat gesagt…

Hi Gedanquill!

Also bin ich nicht die Einzige, die sich um Sinn und Unsinn Gedanken macht ... sehr beruhigend. ;-)

Besten Dank für dein Werk zu meinen Zeilen und
Gruss
Margot

Gedanquill hat gesagt…

Naja, Werk ist vielleicht etwas übertrieben...allein schon wegen der Eitelkeit.
Aber immerhin haben Deine Zeilen dafür gesorgt, dass auch mir ein paar davon einfach in die Tasten gefallen sind. Das kam in letzter Zeit nicht oft vor.

Beste Grüße,
Gedanquill

Margot S. Baumann hat gesagt…

Tja, dann sind wir schon Zwei. Bei mir hapert's im Moment auch recht heftig mit der Muse. Vor allem in der Lyrik. Aber die Welt wird's vermutlich verkraften. ;-)

Beste Grüsse zurück,
Margot

Anonym hat gesagt…

He, wann kommt hier endlich wieder was neues?

Grüsse
Fritz

Margot S. Baumann hat gesagt…

Wenn ich, zum Beispiel durch einen originellen Kommentar, zu etwas Neuem inspiriert werde, Herr Fritz. ;-)

Grüsse zurück!
Margot