20 November 2009

Zweitbesetzung













Die Lichter flohen mit dem Winterwind.
Im Vestibül hängt eine Waisenjacke.

Der Pförtner ist ein Siebenmonatskind

und siedelt nun vom Schloss in die Baracke.


Ich übte Texte während der Beschattung,

doch schon am Morgen schieden sie im Rauch,

erschienen neu zur nächtlichen Begattung

und pflanzten Hoffnung in den leeren Bauch.


Nun klebt der Kuckuck an den toten Türen;

erblindet sind die Fenster vor der Zeit -

bisweilen kann man noch Gelächter spüren

und einen Narren, der da capo schreit.



© Margot S. Baumann / 2009

26 Oktober 2009

Neu erschienen!

Memento mori!

Mein erster Thriller ‚Memento mori!’ (frei übersetzt: bedenke, dass du sterblich bist!) ist beim Greifenverlag zu Rudolstadt & Berlin erschienen. Es handelt sich um die Geschichte des Berners Abbé Kilian, der als Fünfjähriger seinen Vater mit einem Wespennest tötet. Skurril? Ja, auf alle Fälle!

Aus dem Klappentext: Abbé Kilian tötet als Fünfjähriger seinen alkoholabhängigen, prügelnden Vater mit einem Wespennest. Daraufhin wird er ins Tessin in eine Anstalt für schwererziehbare Jugendliche gebracht. Dort beginnt für ihn eine grausame Zeit. Massimo, ein homosexueller Mitinsasse, zwingt Abbé zu sexuellen Handlungen. Als die Demütigungen eines Tages zu groß werden, versucht er zu fliehen.
Diese Erinnerungen verfolgen Abbé sein ganzes Leben lang und er tut Dinge, an die er sich später nur noch fragmentarisch erinnern kann. Um endlich die Anerkennung und Bewunderung zu erlangen, die ihm seiner Meinung nach zustehen, beschließt er ein berühmter Schriftsteller zu werden. Doch auch diesen Weg pflastert Abbé mit dem Tod.

Das Taschenbuch kostet € 12.90, ISBN 978-386939-403-9, und kann im normalen Buchhandel oder über Amazon bestellt werden. Ich selbst habe keine Exemplare an Lager.

Ich wünsche allen meinen Lesern einen Mordspaß!

16 Oktober 2009

kari-kani setzt auf Blei

Der Kleinverlag kari-kani wird in Zukunft neu erscheinende Titel verstärkt in bibliophiler Aufmachung herstellen.

Damit die handgebundenen Bücher auch im Inhalt der Aufmachung gerecht werden, werden diese - erstmals ab dem bisher noch unbetitelten “Best Of” Band meiner Gedichte - zudem komplett in Blei gesetzt.

Ich fand schon immer, dass Lyrik ein ganz spezielles "Kleid" verdient, daher freue ich mich natürlich sehr auf diese Ausgabe.

Stefan Krebs setzt die von mir ausgewählten Gedichte zurzeit in seinem Atelier auf einer Intertype Setzmaschine in 10 Punkt Garamond. Die Planung sieht eine Veröffentlichung für das dritte Quartal 2010 vor.

13 Oktober 2009

Experimentierfeld Büchermarkt

Wie macht man einen Bestseller? Artikel ZEIT ONLINE ... weiterlesen

22 September 2009

Buch verkauft – Leser zufrieden?

Bedeuten verkaufte Bücher zufriedene Leser? Macht die Leser zufrieden, was Buchhändler und Verlage als Verkaufserfolg feiern? Finden Leser im Laden, was sie wollen, oder bleiben viele Wünsche unerfüllt?

Lest dazu die
Studie von Annette Scholonek.

30 August 2009

Tutto vanità!










Der Blick zurück blieb letztlich aus.
Vielleicht lag’s an den Trostkulissen;
dem schalen Wein; den Illusionen
oder dem voll gestopften Haus,
in dem ab jetzt die Geister wohnen
mit gängigen Gewissensbissen.

Und doch hielt uns die Räumung auf,
weit mehr, als wir erwartet hätten.
Sie griff nach gilben Kragenrändern
und stoppte diesen Hürdenlauf.
Nun baumeln wir an Gummibändern
ganz sachte über Trümmerstätten.

Doch selbst wenn heut die Blenden fallen
und Trauer unsre Lücken büsst;
der Scherenschnitt die Fäden trennt,
wird morgen neu Gelächter hallen.
Ein Hieb nur und der Esel rennt:
sein Strassenstaub mit Spott gesüsst!


© Margot S. Baumann / 2006

26 Juli 2009

Die Impertinenz einer Scheinbaren










Mit welcher Eitelkeit nur greife ich zur Feder,
obwohl ich nichts zu sagen hab?
Mein Vater liegt in keinem braunen Grab,
und Mutter räumte weder Schutt noch Kegel.

Auch meine Schwestern blieben – Gott sei Dank! – verschont.
In ihren Gärten blühen immer noch die Rosen,
am Handgelenk die oft vererbten Pretiosen.
Nein, wirklich, nichts was eigentümlich wäre.

Und was es über mich zu sagen gibt,
passt ohnedies auf eine halbgegerbte Haut.
Kein Wagnis rief, nur recht stabil und altvertraut:
die Feuerprobe tobte bloss in den Romanen.

Und doch treibt etwas mich zur öffentlichen Rampe,
auch wenn mich konsequent Entlarvung zagt.
So muss ich schreiben, selbst wenn niemand fragt,
auf dass vielleicht ein Wort bleibt in Gedanken.


© Margot S. Baumann / 2009